Das legendäre Raffles Hotel in Singapur verfügt über eine eigene Hymne, ist Geburtsort des „ Singapore Sling” und wurde 1987 sogar zum Nationaldenkmal erklärt!

Das Raffles Hotel steht für alle Legenden vom exotischen Fernen Osten

sagte einst W. Somerset Maugham.  Und „Wer das Raffles nicht gesehen hat, der kennt Singapur nicht“, das sagen die Singapurer noch heute.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts zog das Luxushotel interessante Persönlichkeiten magisch an. Weltenbummler, Lebemänner, Schriftsteller, Künstler, die Frauen der Kautschukhändler, Pflanzer und Offiziere, sie alle bevölkerten das Hotel. „See you at Raffles” war ein stehender Begriff geworden und mit Raffles war oft Singapur im allgemeinen gemeint.

Das Raffles im Wandel der Zeit

Die Beach Road, an der das Raffles Hotel Singapur liegt, ist eine der ältesten Straßen Singapurs. Damals befand sie sich noch direkt am Wasser und war von den Villen wohlhabender europäischer Händler gesäumt.

Die aus Persien stammenden Sarkies-Brüder kauften eine dieser Villen aus den frühen 1830er Jahren und wandelten sie in ein Hotel um. Die geschäftstüchtigen Brüder hatten bereits Erfahrung in der Hotellerie; ihnen gehörte das Eastern & Oriental Hotel in Penang.

Am 1. Dezember 1887 eröffneten sie das nur 10-Zimmer große Raffles Hotel in der Beach Road. Seinen Namen verdankt das  Kolonialhotel dem Gründer Singapurs und (eine Anekdote am Rande) Entdecker der Riesenrafflesie: Thomas Stamford Raffles.

Um den steigenden Gästezahlen gerecht zu werden, wurde das Raffles um mehrere Nebengebäude erweitert und eine Nachbarvilla dazugekauft.

Das Jahr 1899 stellte den ersten Meilenstein der Hotelgeschichte dar. Das Hauptgebäudes mit seiner eleganten Neo-Renaissance-Fassade feierte Einweihung und das Raffles erhielt als erstes Hotel Singapurs elektrisches Licht und Ventilatoren.

Und 1915 bekam das Hotel sogar seine eigene Hymne, den „Raffles March”, von A. Dietz komponiert und Tigran Sarkies gewidmet.

Die goldenen Jahre des Raffles Hotel Singapur

Raffles Hotel Singapore, 1920-1939

In den  1920ern kam der Tourismus in Singapur und Malaysia richtig in Schwung. Charlie Chaplin, Maurice Chevalier, Frank Buck und Jean Harlow waren Gäste. Es fanden rauschende Feste im Ballsaal des Raffles statt, welcher natürlich den Ruf hatte, der spektakulärste des Orients zu sein. Ab 1930 wurden auch Einheimische im Hotel willkommen geheißen; vorher war dieses Privileg nur den Weißen vorbehalten.

Das Raffles während der Weltwirtschaftskrise und im Zweiten Weltkrieg

Die große Feier sollte 1931 mit der Weltwirtschaftskrise, sowie mit dem Tod des letzten Sarkies-Bruders, Arshak, enden.

Bis zum zweiten Weltkrieg wurde das Raffles zwar unter der Leitung der Raffles Ltd. weitergeführt, aber es standen schwere Zeiten bevor. Als sich Singapur 1942 den Japanern ergab, versammelten sich die Briten im Raffles und sangen „There will always be an England“. Sie sollten Recht behalten, denn 1945 fiel Singapur wieder der Kronkolonie zu und das Raffles diente vorübergehend als Auffangstation für Kriegsgefangene.

Hollywood im Raffles Hotel Singapur

In den 1950er und 1960er Jahren zog das Kolonialhotel erneut Reisende aus aller Welt an, darunter auch Elizabeth Taylor und Ava Gardner. Im Jahr 1967 wurde sogar ein Film im Raffles gedreht: „Pretty Polly“. Das Drehbuch stammt übrigens von keinem geringeren als Noël Coward, ein häufiger Gast des Hotels.

Die Legenden

Legenden ranken sich so einige um das Raffles Hotel.

  • Die wohl bekannteste ist, dass der  „Singapore Sling” 1915 vom Barkeeper Ngiam Tong Boon in der mittlerweile legendären „Long Bar” erfunden wurde. Das Originalrezept des Cocktails konnte 1936 anhand einer handschriftlichen Notiz eines Barkeepers rekonstruiert werden, die man heute im hoteleigenen Raffles Museum ansehen kann. Und für zu Hause gibt es praktischerweise auch die Videoanleitung des Head Bartenders auf YouTube.

  • Eine weitere Legende besagt, dass der letzte wilde Tiger Singapurs 1902 unter einem Billardtisch im Raffles erschossen wurde. Tatsächlich handelte es sich um einen entlaufenen Tiger aus dem Wanderzirkus, der unterhalb des Bar & Billard Rooms Unterschlupf suchte. Aus Schutz vor den kräftigen Monsunregen hatte man diesen Raum nämlich auf Stelzen gebaut.

Berühmte Schriftsteller im Raffles Hotel Singapur

  • Obwohl Joseph Conrad oft als einer der ersten Hotelgäste genannt wird, hat er dort  wohl nur gegessen. In seinem Erzählband „Das Ende vom Lied” beschreibt er ein Wirtshaus, welches „luftig wie ein Vogelkäfig” war und man vermutet, dass er damit das Raffles meinte.
  • Rudyard Kipling machte auf seiner Weltreise 1899 einen Stopp im Raffles Hotel. Sein Urteil fiel leider etwas uncharmant aus: „Feed at the Raffles, but sleep at the Hotel l´Europe“, also „Essen Sie im Raffles, aber steigen Sie im Hotel l´Europe ab”.  Wäre Kipling nur wenige Monate später- nach der Eröffnung des modernen Hauptgebäudes – angereist, hätte er sicher seine Meinung über den Komfort des Hauses geändert.
  • Als Hermann Hesse Ende 1911 eine Nacht im Raffles verbrachte, war dieses bereits berühmt für seine Parties. Nicht wirklich Idealbedingungen für den unter Schlaftstörungen leidenden Schriftsteller, der sich in seiner Nachtruhe gestört fühlte.
  • W. Somerset Maugham hingegen war das gesellige Beisammensein recht willkommen. 1921 besuchte er das erste Mal das luxuriöse Hotel. Man sagt, dass er den Klatsch und Tratsch, den er während seines Aufenthaltes aufschnappte, in „Die Macht der Umstände” und „Ah King” verarbeitete.
  • James A. Michener war noch Soldat als er 1949 im Raffles Hotel abstieg. Jahrzehnte und viele Besuche später schwärmte er:

To have been young and had a room at Raffles was life at its best

Das Raffles Hotel Singapur heute

Von der Abschaffung der Rezeption in der Lobby, der Einstellung eines Butler-Teams bis hin zu einer neuen “Singapore Sling Shaker-Maschine“:  Das historische Grand Hotel wartet nach einer zweijährigen Renovierung mit einigen Änderungen auf. Am 01. August 2019 wurde Wiedereröffnung gefeiert. Trotz aller Neuerungen war es dem Management jedoch wichtig, den Look des Kolonialhotels mit seiner reichen Geschichte beizubehalten.

Wohin es in Zukunft gehen soll, erklärt der Hoteldirektor Christian Westbald sowie der Historiker des Raffles im folgendem Video:

PS: Und keine Sorge: Die Erdnussschalen darf man nach alter Tradition natürlich auch weiterhin auf den Boden der Long Bar werfen 😉

Katja
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