Leben im Hotel: ob luxuriöser Hauptwohnsitz, Inspirationsquelle oder Schicksalsort. Warum abreisen wenn es am schönsten ist?

Das dachten sich einige der berühmtesten Frauen der Welt und entschieden sich – zumindest zeitweise – für einen Wohnsitz im Hotel.

Greta Garbo: Hotel Miramar, Santa Monica USA, 1925-1929

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Das 1921 eröffnete Hotel Miramar thront hoch auf den Klippen von Santa Monica, und bietet, wie der Name verspricht, einen Panoramablick auf den Pazifik.

In den Goldenen Zwanzigern war Santa Monica ein Zufluchtsort für Schauspieler, die weitab von der Filmindustrie in Los Angeles Ruhe und Erholung suchten.

Der Erfolg des Hotels Miramar war so groß, dass 1924 das viktorianische Hauptgebäude um einen 6-stöckigen Flügel erweitert wurde. Der Palisades Wing bestand aus großzügigen Appartements für Langzeitmieter.

John P. Jones Residenz Miramar
Das Viktorianische Hauptgebäude im Jahr 1890 (abgerissen 1938)

Im September 1925 zog eine in Amerika noch unbekannte Schauspielerin genau dort ein. Greta Garbo hatte gerade einen 3-Jahres-Vertrag mit Metro-Goldwyn-Mayer unterschrieben und entschied sich erst einmal für ein Leben im Hotel.

In Santa Monica führte sie ein zurückgezogenes Dasein. Sie machte lange Spaziergänge am Strand oder besuchte ihren Mentor, den schwedischen Regisseur Mauritz Stiller, der in einem Strandhaus in der Nähe lebte. Noch konnte die Filmdiva es sich nicht vorstellen, in Hollywood zu leben, in einer Stadt mit “Millionen von Autos”.

Im November 1925 begannen die Dreharbeiten für Garbos Leinwanddebüt in Amerika. Im Film “Fluten der Leidenschaft” verkörperte sie, obwohl  Schwedin, eine spanische Sängerin. Um sie auf die Rolle vorzubereiten, verordnete MGM der Garbo eine strikte Diät,  ließen ihre Haare glätten und die Zähne richten.

Der Film stellte ihren Durchbruch in Amerika dar. In den nächsten 4 Jahren drehte sie noch 10 weitere Stummfilme.

Mit ihrem Wechsel in den Tonfilm stand dann auch ein Umzug an. 1929 und mittlerweile ein Star, verließ Greta Garbo ihr Appartement im Miramar Hotel und zog nach nach Hollywood. Ihre erste Adresse dort: das Beverly Hills Hotel.

Agatha Christie: Burgh Island Hotel, Devon, 1930er Jahre

In Burgh Island schrieb die Queen of Crime zwei ihrer besten Bücher

  • Und dann gabs keines mehr (1939) und
  • Das Böse unter der Sonne (1941).

Das damals sehr angesagte Hotel auf der Gezeiteninsel vor der Küste der Grafschaft Devon (auch Noël Coward und Winston Churchill waren Gäste), servierte der Krimiautorin die Inspiration auf dem Silbertablett. Nur zweimal am Tag, bei Ebbe, ist die Insel vom Festland zugänglich. Ansonsten ist man von der Außenwelt komplett abgeschnitten.

Im Roman “Das Böse unter der Sonne” verbringt Hercule Poirot seinen Urlaub in einem Inselhotel namens “Jolly Roger“. Und in Und dann gabs keines mehr” werden 10 Gäste von einem Unbekannten auf die fiktive Insel “Nigger Island” eingeladen… und wir alle wissen, dass die Geschichte für keinen gut ausging 😉

Christie schrieb beide Romane während eines kreativen Retreats in dem eigens für sie gebauten Strandhaus. Dieses ist übrigens noch heute Teil des Hotels.  

Coco Chanel: Ritz Paris, 1937-1971

Chanel Anzeige 1937

Die Modeschöpferin Gabrielle “Coco” Chanel hält wahrscheinlich den Langzeitrekord für ein Leben im Hotel. Drei Jahrzehnte lang nannte sie das Pariser Ritz ihr Zuhause.

Genauso viele Mythen wie um die genauen Zimmernummern ihrer Suiten im Ritz,  ranken sich auch um ihre Person.

1934 bezog Coco Chanel eine Mansarden-Suite im 3. Stock mit Blick auf den Place Vendôme. Die Möblierung der Suite übernahm sie gleich selbst.  Der chinesische Wandschirm, das beigefarbene Wildleder-Sofa, Kristall-Lampen und Kunstobjekte stammten aus ihrem Privatbesitz.  

Mit Kriegsbeginn im Jahre 1939, schloss Chanel ihr Modehaus und zog sich zurück in ihre Villa “La Pausa” an der südfranzösischen Riviera. Nur ein Jahr später zog es sie wieder nach Paris. Ihre ehemalige Suite im Ritz war jedoch zwischenzeitlich von der deutschen Luftwaffe okkupiert worden. 

Coco Chanel  zog in ein kleineres Apartment im 6. Stock im hinteren Teil des Hotels, gelegen an der Rue Cambon.  

Welche Rolle Gabrielle Chanel während des Krieges spielte, ist nicht geklärt. Die Aussagen reichen von  “geschäftstüchtiger Opportunistin” bis hin zu “Nazi-Agentin”. Letzteres behauptet der Journalist Hal Vaughan in seiner Chanel Biografie “Mit dem Feind im Bett – Coco Chanels geheimer Krieg”.

Sicher ist, dass Sie ein langjähriges Verhältnis mit dem Baron Hans Günther von Dincklage hatte. Diese wohnte ebenfalls im Ritz und war Sonderbeauftragter des Reichspropagandaministeriums.  

Chanel selbst hat nie über diese Episode in ihrem Leben gesprochen. Nach der Befreiung von Paris wurde sie zwar als Nazi-Kollaborateurin verhaftet, aber kurz darauf wieder freigelassen. 

Coco Chanel Suite Ritz Paris

Danach lebte sie für einige Jahr mit von Dincklage im Exil in der Schweiz, bevor sie 1954 wieder nach Paris – und ins Ritz – zurückkehrte. Das Apartment im 6. Stock sollte ihr Wohnsitz bis zu ihrem Tod im Januar 1971 bleiben. 

Die heute Coco Chanel gewidmete Suite befindet sich im 2. Stock, mit Blick auf die Siegessäule des Place Vendôme. Die Einrichtung der in beige, weiß und schwarz gehaltenen 188 m2 Suite ist eine Hommage an den klassisch-eleganten Stil der Modeschöpferin und kann bei einem Zimmerpreis von 25.000 € die Nacht genossen werden. 

Marlene Dietrich: Lancaster Hotel, Paris   1938-1941

Als Marlene Dietrichs Stern Mitte der 30er Jahre zu verblassen begann, machte sie sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause fernab von Hollywood.  

Im Jahr 1937 bezog Marlene Dietrich drei miteinander verbundene Suiten im noblen Hotel Lancaster in Paris

Die ehemalige private Residenz der Familie Drake del Castillo wurde 1925 vom Schweizer Hotelier Emile Wolf erworben und in ein luxuriöses Hotel umgewandelt.

Die Dietrich liebte die Opulenz des Hotels mit seinen Baccarat Lüstern, Brokatsesseln und schweren Taftvorhängen. Ihre eigene Suite stattete sie mit einer lila Samt-Couch, einem Louís XV Schreibtisch und einem Original Erard-Flügel aus. Letzteren kann man noch heute in der Marlene Dietrich gewidmeten Suite mit der Nummer 401 bewundern.

Im Hotel Lancaster soll die Dietrich, so heißt es, ihre Suite mit wechselnden Liebhabern und Liebhaberinnen geteilt haben, darunter der Schriftsteller Erich Maria Remarque und Suzanne Jeanne Baulé (genannt Frede), Animierdame im damals berühmten lesbischen Nachtclub “Le Monocle”.  

Paris sollte ihre Heimat bleiben, jedoch nicht das Hotel Lancaster. Ihre letzten Jahre verbrachte Marlene Dietrich in der Avenue Montaigne Nr. 12, nur ca. 1 km enfernt. 

Marilyn Monroe: The Hollywood Roosevelt Hotel, L.A., 1940er Jahre

Hollywoods ältestes Hotel liegt direkt am Hollywood Boulevard, gegenüber des berühmten TLC Chinese Theatre. 

Es wurde in den Goldenen Zwanzigern von und für die Filmindustrie gebaut. Zur Investorengruppe zählten die Schauspieler Douglas Fairbanks und Mary Pickford, der Unternehmer Sid Grauman und Louis B. Mayer, Filmproduzent und Mitbegründer der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayr.

Gedacht als Luxus-Unterkunft für in Hollywood drehenden Stars und Sternchen, feierte das Hollywood Roosevelt Hotel am 15. Mai 1927 Eröffnung.

Eine der bekanntesten Langzeitgäste des Hotels war Marilyn Monroe. Zu Beginn Ihrer Karriere, Ende der 40er Jahre, nannte sie das Hollywood Roosevelt Hotel ihr Zuhause. Ganze zwei Jahre wohnte sie in einem der sogenannten Cabana Zimmer. Ihre Suite mit der Nummer  229 kann man noch heute buchen.

Auch sonst verband sie einiges mit dem Hotel. Der hoteleigene Pool diente als Set für ihr erstes kommerzielles Fotoshooting als Model und man sagt, sie soll ihren dritten Ehemann, Arthur Miller, im Nachtclub des Hotels kennengelernt haben. 

Quellen:

Greta Garbo:  David Bret, Greta Garbo: A Divine Star,  The Robson Press 2012  | Webseite www.garboforever.com 

Coco Chanel:  Ritz Paris Magazine Reopening Issue July-December 2016 | Anke Schipp, FAZ, 22. August 2011  | Michael Solom,  Forbes 29. Juni 2016 | VIP Klick Coco Chanel, Süddeutsche Zeitung, 16. August 2011 |  Gabriela Cañas, El País, 6. Dezember 2014 

Marlene Dietrich:  Diego Parrado, Vanity Fair España, 27. August 2017  |  Frank Sistenich, Die Welt, 27.Oktober 2007  | Eva Gesine Baur, Einsame Klasse: Das Leben der Marlene Dietrich , Mai 2017

Marilyn Monroe:  Bettina Hensel, Das Roosevelt-Hotel, Merian

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