Das berühmteste Hotel Nordafrikas liegt am Rande der Medina der Königsstadt Marrakesch. Eingebettet in einen jahrhundertealten Garten mit Blick auf das schneebedeckte Atlasgebirge, punktet das La Mamounia Marrakesch Palasthotel mit maurischer Architektur und einer spannenden Geschichte.

Der Garten des Prinzen Moulay Mamoun

Das Hotel befindet sich auf einem ehemaligen Grundstück des Prinzen Moulay Mamoun. Sein Vater,  Sultan Sidi Mohamed ben Abdallah, hatte ihm, ebenso wie seinen 3 Brüdern, ein Haus und einen Garten außerhalb der Kasbah als Hochzeitsgeschenk vermacht. Dies geschah im 18. Jahrhundert, aber weltweite Berühmtheit sollte der Garten des Prinzen aber erst 200 Jahre später erlangen.

Das La Mamounia Marrakesch Palasthotel öffnete seine Türe in den Goldenen Zwanzigern und zu der Zeit, als Marrakesch zum französischen Protektorat in Marokko zählte.  

Der touristische Aufschwung Nordafrikas

Der 1. Weltkrieg war vorbei, und die europäischen und amerikanischen Weltenbummler begannen, den Norden Afrikas als Reiseziel für sich zu entdecken.

Die Kreuzfahrtschiffe der größten französischen Reederei, der “Compagnie Générale Transatlantique (CGT), auch bekannt unter dem Namen Transat” und French Line”, trugen dabei wesentlich zum touristischen Aufschwung der Region bei.

Seit 1911 bot die Reederei mit ihrer Linie Bordeaux – Casablanca die erste Schiffsverbindung vom französischen Festland nach Marokko an-  Sieben Jahre später kümmerte sich die Transat mit attraktiven Komplettpaketen auch um das Sightseeing.

Sie organisierte geführte Touren mit privatem Kleinbus, quer durch Algerien und Marokko. Unterkunft, Trinkgelder und Verpflegung: alles inbegriffen. Exotik, Kultur und gutes Wetter waren garantiert, woran es aber mangelte, waren  angemessene Unterkünfte für die betuchten Passagiere.

Durch eine Tochtergesellschaft , der “Sociéte des Grand Hôtels Nord Africains”, kaufte die Transat bestehende Hotels in Algerien und Marokko auf und ließ sie mit aufwendigen Renovierungen auf französischen Standard bringen.

Zu den ersten marokkanischen Hotels, die von der Gesellschaft gekauft wurden, gehörten das Maroc Hotel in Casablanca sowie der Palais Jamaï in Fez. Aber es fehlte noch ein Hotel in Marrakesch…

Der Bau des Palasthotels La Mamounia Transatlantique et CTM

Gleichzeitig erkannte auch die staatliche  Eisenbahngesellschaft Marrokos den Bedarf für ein Hotel. Marrakesch sollte die Endstation einer 948 km langen Bahnstrecke von Oujda, über Fez und Casablanca werden.

Die französischen Architekten Henri Prost und Antoine Marchisio erhielten 1923 den Auftrag der Eisenbahngesellschaft CMF, ein mit allen Annehmlichkeiten ausgestattetes Hotel im 8 Hektar großen Park des Prinzen Moulay Mamoun zu errichten. Die Geschäftsführung übertrugen sie der Compagnie Générale Transatlantique.

1925 feierte das Hotel unter dem Namen “Hôtel de la Mamounia Transatlantique et CTM” Eröffnung.    

Bildquelle: SIAF / Cité de l’architecture et du patrimoine / Archives d’architecture du XXe siècle  

Das Hotel vereinte die traditionelle marokkanische Architektur mit dem damals angesagten Art-Deco-Stil. Der berühmte Maler Jacques Majorelle zeigte sich verantwortlich für die Innenausstattung einer der Salons.  

Als Relikt aus den Zeiten des Prinzen Mamoun blieb ein kleiner Gartenpavillon, der heute als Eiscafé des Hotels dient.

Weltstars im La Mamounia Marrakesch

Nach dem 2. Weltkrieg erlebte der Tourismus in Marokko einen Boom, angefacht durch Hollywood-Filme wie “Marokko” mit Marlene Dietrich (1930)  oder den Klassiker “Casablanca” (1942).

Jeder, der Rang oder Namen hatte, hat im Laufe der Jahre das La Mamounia besucht. Darunter viele Künstler, wie Edith Piaf, Josephine Baker, Colette, Béla Bartók, Maurice Ravel, Marguerite Duras, Pierre Balmain oder Yves St. Laurent.

Und auch im Kino kam das La Mamounia groß raus.  1953 war es Kulisse für den Film “Alerte au Sud” mit Erich von Stroheim und 1955 drehte Alfred Hitchcock  “Der Mann, der zu viel wusste” mit James Stewart und Doris Day (die für den Filmsong “Qué será, sérá” den Oscar erhielt). Dass die umtriebig im La Mamounia Garten herumschwirrenden Vögel Hitchcock zu seinem späteren Meisterwerk “Die Vögel” inspirierten haben sollen, ist allerdings mit Sicherheit eine urbane Legende.

In neueren Zeiten diente das Palasthotel in Marrakesch den Kinofilmen Alexander” (Oliver Stone 2004), “Sex and the City 2″ (2010) und  “Königin der Wüste” (Werner Herzog 2015) als Location für einige Filmszenen.

Filme im La Mamounia Palasthotel

Der berühmteste Stammgast: Winston Churchill

Der treueste Gast des Hotels war jedoch Winston ChurchillIm Winter 1935 besuchte er das Hotel zum ersten Mal, um in einem längeren Aufenthalt seinem liebsten Hobby zu frönen, dem Malen.

Gemaelde Winston Churchill Marrakesch

In einem Brief an seine Frau Clemmie gab er seiner Begeisterung Ausdruck:

This is a wonderful place, and the hotel one of the best I have ever used

Dieses Kompliment wiegt schwer, war Churchill doch ein ausgesprochener Kenner der Grand Hotels dieser Welt. Die diversen “Winston Churchills Suites” in  Hotellegenden wie dem Savoy London , Reid’s Palace auf Madeira  oder dem Mena House in Kairo zeugen davon.

Nach der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 (in dem geheimen Gipfeltreffen koordinierten die Alliierten das weitere militärische Vorgehen gegen Deutschland, Italien und Japan) überredete Churchill den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, seinen Aufenthalt zu verlängern, um ihn Marrakesch zu zeigen.

Als ausgesprochener Fan der Stadt, die er als Paris der Sahara bezeichnete, war er der Meinung, dass Roosevelt Marokko nicht verlassen konnte, ohne den Sonnenuntergang vor der Kulisse des schneebedecken Atlasgebirges gesehen zu haben.    

Nach dem Krieg kehrte Churchill in vielen Wintern zurück ins La Mamounia, um zu malen und an seinen Aufzeichnungen über den Zweiten Weltkrieg zu schreiben.

An die Besuche ihres berühmtesten Stammgastes erinnern heute die Winston Churchill Suite (mit Original- Gemälden Churchills) und die Churchill Bar.

Churchill Suite und Churchill Bar La Mamounia Marrakesch

Die Zeichen stehen auf Veränderung im La Mamounia

Das La Mamounia Marrakesch wurde seit seiner Eröffnung mehrfach renoviert. Die jüngste große Renovierung im Jahre 2006 dauerte ganze 3 Jahre. Der französische Innenarchitekt Jacques Garcia entkernte das Hotel vollständig und bewahrte lediglich die Originalelemente aus den Jahren vor 1930. Sein Ziel war es “eine verführerische Atmosphäre zu schaffen, voller Hell-Dunkel Kontraste und voller Geheimnisse”. Das Ergebnis ist in seinen Worten,

ein modernes Märchen, das an eine lang vergangene Zeit erinnert.

2018 hat das Palasthotel den Condé Nast Traveler Readers’ Choice Award als bestes Hotel der Welt gewonnen und die Zeitschrift Architectural Digest hat es auf seine Liste der 7 historisch bedeutsamsten Hotels der Welt gesetzt.

Aber eine kürzlich veröffentlichte Mitteilung hat die Fans des Hotel-Mythos in helle Aufregung versetzt. Das La Mamounia, welches der staatlichen Eisenbahngesellschaft, einem Investmentfonds und der Stadtverwaltung von Marrakesch gehört, soll privatisiert werden. 51% der Anteile des Hotels stehen zum Verkauf.  

Viele Marrokaner, aber auch internationale Gäste, sehen das La Mamounia als ein Wahrzeichen der Stadt Marrakesch an und es bleibt abzuwarten, wie die Zukunft der Hotellegende, eventuell als Teil einer multinationalen Hotelkette, aussehen wird.

Exterior La Mamounia Hotel Marrakech

Bildquelle (wenn nicht anders angegeben): La Mamounia Press-Kit

Verwendete Literatur und Quellen:

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