Grand Hotel… Schon der Name weckt Sehnsüchte nach der Grandezza vergangener Epochen, der Aufbruchstimmung der Gründerzeit und dem Versprechen eines gesellschaftlichen Wandels.

Aber was bedeutet der Name Grand Hotel eigentlich genau? Zusammengesetzt aus den französischen Wörtern Grand und Hôtel, bedeutet der Begriff wörtlich “großes Stadtpalais”. Diese Hotels imitierten die Ausstattung und die Architektur von Schlössern und Palästen, boten jedoch höchsten Komfort und die neuesten technologischen Annehmlichkeiten ihrer Zeit. 

Als erstes Grandhotel der Welt gilt das 1774 vom Perückenmacher David Low eröffnete Grand Hotel  in der Londoner King Street. Im Gegensatz zu den damals vorherrschenden unkomfortablen Herbergen, wartete jedes Zimmer mit Daunendecken, Wärmeofen und einem hölzernen Zuber für ein warmes Bad auf.

Bildquelle: Survey of London, Volume 36 British History Online

Heute existiert das Grand Hotel in der King Street Nr. 43 nicht mehr. Es schloss seine Türen im Jahre 1880. Das Stadtpalais, heute unter dem Namen Russell House bekannt (nach seinem ersten Besitzer, Admiral Lord Edward Russell), ist das älteste noch erhaltene Gebäude an der Covent Garden Piazza.

Der Boom der Luxushotels in der Belle Époque

Ihre Blütezeit erlebten die Grand Hotels zu Zeiten der Belle Époque. Der wirtschaftliche Aufschwung ermöglichte nicht nur dem Adel den Zugang zu Glanz und Glamour, sondern auch dem wohlhabenden Bürgertum. Als Treffpunkt für Menschen verschiedenster Gesellschaftsschichten und Bühne für Lebenskünstler, boten sie Stoff für unendlich viele Geschichten.

„Jeder vertritt eine Spezies —als wäre das Hotel eine Arche Noah der letzten Individualitäten. Den Autoren wird Gelegenheit geboten, noch einmal das große Bestiarium der Charaktertypen vorzuführen“.  (Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft)

Kein Wunder, dass viele Autoren dieser Zeit Hotels zum Schauplatz ihrer Werke machten – der berühmteste Hotelroman ist wohl Vicki Baums “Menschen im Hotel” aus dem Jahr 1929 – oder, zwecks Inspirationsfindung, das Hotel gleich als Wohnort auserkoren, wie Joseph Roth oder Thomas Mann.

Und die Zukunft der Grand Hotels?

Viele aus der Belle Époque datierenden Luxushotels haben bis heute überdauert und zählen noch immer zu den schönsten Hotels der Welt, wie das Savoy London oder Belmond Reid’s Palace auf Madeira. Früher wurden diese Hotels vornehmlich über ihre luxuriöse Ausstattung definiert und sachlich als “imposante, gut ausgestattete Hotels mit internationaler Klientel” beschrieben.

Heute geht der Trend zu Individualität: die Gäste wünschen sich exklusive und nachhaltige Erlebnisse und verlangen auf sie zugeschnittene Dienstleistungen.

Obwohl sich die Moden ändern, bieten Grand Hotels etwas, was internationale, standardisierte Hotelketten nicht bieten können: Lebensart, historischen Charme und die Möglichkeit, die Vergangenheit hautnah zu erleben.

Welche Grand Hotels hast Du bereits besucht und verrätst Du uns Deinen Favoriten? Über Deine Empfehlung würden wir uns freuen!

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