Seit 1921 gehen im Fairmont Miramar Hotel die Hollywood-Stars ein und aus.

Vorher war das historische Fünf-Sterne-Hotel jedoch der Familiensitz des Multimillionärs John P. Jones. Seine Geschichte und die seines Heims sind eng mit der Geschichte Kaliforniens verbunden. Ihren Anfang nahm sie bereits im Jahr 1875…

Die Gründung der Stadt Santa Monica

Noch bis 1848 war Kalifornien eine abgelegene Provinz Mexikos. Um “Alta California” zu besiedeln, verschenkte die Regierung große Ländereien, genannt Ranchos, an regierungstreue Privatpersonen.

Das Land rund um die heutige Stadt Santa Monica gehörte zu der “Rancho San Vicente y Santa Mónica” und wurde 1839 an den mexikanischen Soldaten Don Francisco Xavier Sepúlveda übergeben. (Wer heutzutage durch L.A. fährt, kennt den Namen bestimmt. Der Sepulveda Boulevard ist die längste Straße der Stadt.)

1872 kaufte der amerikanische Geschäftsmann Robert Symington Baker die Länderei für 55.000 Dollar, mit der Absicht, dort eine Stadt zu gründen. Er träumte davon, Santa Monica in die führende Hafenstadt des Südwestens zu verwandeln.

Gemeinsam mit John P. Jones, einem US-Senator, der mit Silberminen in Nevada ein Vermögen gemacht hatte, gründete er die Stadt Santa Monica.

Es war der 10. Juli 1875 und noch am selben Tag verkauften sie im Rahmen einer Auktion die ersten Grundstücke. Schon nach 2 Tagen sollen sie hunderte von Grundstücken versteigert, und dabei über 30.000 Dollar Gewinn erzielt haben.

Auktion in Santa Monica 1875
Foto vom Tag der Auktion 1875

Im Oktober des gleichen Jahres nahm die ebenfalls von Jones gegründete Eisenbahnlinie “Los Angeles and Independence Railroad” ihre 27 km lange Fahrt zwischen L.A. und Santa Monica auf.

Miramar, der private Wohnsitz von John P. Jones

1889 ließ Jones für sich und seine Familie eine herrschaftliche Villa im angesagten Queen-Anne-Stil auf der Steilküste Santa Monicas errichten. Das Haus hatte 40 Zimmer und einen Ballsaal, der sich über fast den gesamten 2. Stock erstreckte. Aufgrund des uneingeschränkten Meerblicks taufte er die Villa Miramar.

John P. Jones Residenz Miramar

Jones und seine Frau Georgina lebten bis 1912 im Miramar und verwandelten ihr Haus in einen bekannten gesellschaftlichen Treffpunkt für Künstler und einflussreiche Persönlichkeiten. Zu ihren Gästen zählten Mark Twain, der Naturforscher John Muir und die Frauenrechtsaktivistin Susan B. Anthony.

Der von der Hausherrin angelegte Rosengarten existiert heute nicht mehr, dafür aber der mittlerweile berühmte australische Feigenbaum.

Der Legende nach, wurde er von Georgina selbst gepflanzt, denn sie war für die Begrünung der Straßen von Santa Monica verantwortlich. Den Setzling soll ihr Gärtner von einem Barkeeper erhalten haben, der behauptete, dass ihm ein australischer Seemann selbigen als Bezahlung für einen Drink gegeben hatte.

Die nunmehr weit über 100 Jahre alte Großblättrige Feige misst stolze 30 Meter und ist der zweitgrößte Baum seiner Art im Bundesstaat Kalifornien. Bewundern kann man ihn vor dem Eingangsbereich des heutigen Fairmont Miramars.

Fairmont Miramar Feigenbaum

Das Intermezzo: King Gillette und eine Militärakademie

Bevor das Miramar zu einem Hotel wurde, wechselte es 1912 in den Besitz von King Camp Gillette (ja, genau der Gilette, der Erfinder der Einwegrasierklinge) zu einem Preis von 77.500 Dollar. Gillette soll das Haus aber nur selten genutzt haben. Gegen Ende des 1. Weltkrieges diente die Residenz kurzzeitig als Militärakademie bis sie schließlich 1921 vom Hotelier Gilbert Stevenson erworben wurde.

Die Eröffnung des Hotels Miramar in den goldenen 20er Jahren

In den 1920er Jahren wuchs die Bevölkerung Santa Monicas bereits rasant. Die “Perle des Pazifiks” war ein beliebter Bade- und Vergnügungsort im Einzugsgebiet von Los Angeles geworden.

Santa Monica im Jahre 1922
Santa Monica im Jahre 1922

Arbeiter der florierenden Stummfilm-Industrie tummelten sich an ihren freien Tagen in den Vergnügungsparks auf den Seebrücken Santa Monicas. Die Reichen und Berühmten bauten ihre Sommerresidenzen in der Palisades Beach Road, die schon bald als “Goldküste” und “Amerikanische Riviera” bekannt wurde.

Stevenson hätte keinen besseren Zeitpunkt für die Eröffnung des Grand Hotels wählen können.

Das Miramar bot Schutz vor neugierigen Fotografen und auch genügend Unterhaltungsmöglichkeiten, in seinen weitläufigen Gärten, den Bars und dem hauseigenen Strand-Club, dem Miramar Beach Club.

Schon bald reichten die Zimmer der Villa nicht mehr aus. Drei Jahre nach der Eröffnung kam ein 6-stöckiges Gebäude im Neorenaissance Stil mit Appartements für Langzeitgäste hinzu: der Palisades Wing.

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Zu den ersten Bewohnern zählte die in den USA damals noch unbekannte Schauspielerin Greta Garbo, die gerade mit MGM einen Vertrag unterzeichnet hatte. Sie blieb gleich für 4 Jahre.

Stars und Sternchen im Miramar Hotel Santa Monica

In den 30er Jahren wurde das Miramar nicht nur um Dutzende von Bungalows und einen Swimming Pool erweitert (die Villa des Senators musste 1938 leider weichen), es wurde auch ordentlich gefeiert. Im hoteleigenen Nachtclub spielten jeden Abend die großen Tanzorchester auf. Humphrey Bogart und Claudette Colbert sah man hier des Öfteren.

Die Auftritte der Jay Whidden’s Big Band wurden vom Miramar aus im Radio übertragen. Später entdeckte man deren Sängerin , Betty Grable, für den Film. Sie zählte zu den beliebtesten Pin-up Girls der G.I.’s im Zweiten Weltkrieg.

Wo wir gerade bei Sexbomben sind: zu den Stammgästen des Miramars zählten zu der Zeit auch Gloria Swanson, die größte Legende der Stummfilm-Ära, sowie die platinblonde Jean Harlow.

Die berühmteste aller Blondinen, Marilyn Monroe, fand einige Jahre später in den Bungalows des Miramars einen Rückzugsort.

Das Miramar selbst diente häufig als Kulisse. Im Hotel wurden u.a. “Columbo”, “Starsky und Hutch” und “Unter der Sonne Kaliforniens” gedreht. Den wohl berühmtesten Auftritt hatte das Hotel in der Komödie “Ein Hauch von Nerz” mit Doris Day und Cary Grant (1962). Das Miramar stellt darin ein luxuriöses Urlaubsresort auf den Bermudas dar.

Das Fairmont Miramar heute: Zukunftspläne kurz vor dem hundertsten Geburtstag

Die Eigentümer des Miramar Hotels haben Großes vor. Seit Jahren schon soll das Hotel komplett umgestaltet werden, aber ein ursprünglicher Plan, der einen neuen, 21-stöckigen (!), Wolkenkratzer vorsah, wurde zum Glück aufgegeben.

Ein jetzt vorgestelltes Projekt besinnt sich auf die historischen Wurzeln des Hotels.

Von den seit 1921 hinzugefügten Gebäuden und Bungalows soll nur der Palisades Wing aus dem Jahre 1924 erhalten und behutsam renoviert werden. Der Bau gilt als schützenswertes Beispiel des “Renaissance Revival” Architektur-Stils. Als Design-Inspiration für die Renovierung dienen den Architekten dabei Aufnahmen des Miramar aus den 1940-1950er Jahren.

Und was bleibt von der privaten Residenz des Senators John P. Jones? Vielleicht der Anspruch, der kulturelle und gesellschaftliche Mittelpunkt Santa Monicas zu bleiben. Der im Projekt vorgesehene 100 m2 große Ballsaal, wäre da ja schon einmal ein Anfang…

Quellen:
Webseite Santa Monica History
Webseite Fairmont Moments  | Fairmont Moments Destinations
Das Projekt The Miramar Santa Monica 
Hadley Meares, LA Curbed 07.07.2016
Hadley Meares, LA Curbed 06.07.2018
Santa Monica Mirror vom 02.07.2011

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